"Segen - Abschied - Aufbruch - Gott geht mit" - diese Leitgedanken prägten den letzten Gottesdienst, der in der Kapelle des Altenpflegeheims St. Ludwig am Mittwoch, den 4. März 2026, gefeiert wurde. Die Seniorinnen und Senioren von St. Ludwig nahmen Abschied vom langjährigen Standort im Caritaszentrum Offenbach. Und damit auch von der Kapelle, die über viele Jahre ein Ort des Gebets, der Hoffnung, des Trostes und der Gemeinschaft für sie war. Denn Mitte März, steht der Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner nach Heusenstamm ins neue "Haus Anna" an. Der bisherige Standort wird nicht ungenutzt bleiben. Es gibt konkrete Planungen für einen Neubau auf dem Gelände des Caritaszentrums.
Ein Hauch von Wehmut im Herzen
Durch die breite Fensterfront fiel Sonnenschein in die bis auf den letzten Platz gefüllte Kapelle. Das milde, sonnige Frühlingswetter an diesem Märztag ließ Abschiedsschmerz nicht so recht aufkommen. Vielmehr lag Aufbruchstimmung in der Luft. Und doch: "Wir begehen diesen Tag mit einem Hauch von Wehmut im Herzen, sagte Einrichtungsleiterin Olivera bei der Begrüßung: "Heute nehmen wir Abschied - in Dankbarkeit für alles Gewesene. Wir wagen den Aufbruch zu Neuem - mit Mut, Hoffnung und vielleicht auch manchen Fragen. Und wir vertrauen darauf, dass Gott uns begleitet.

Pfarrer i. R. Michael Kunze, Aufsichtsratsvorsitzender des Caritasverbandes Offenbach, zelebrierte an diesem besonderen Tag die Eucharistiefeier, gemeinsam mit dem Seelsorge-Team des Caritaszentrums um Andreas Kaufer-Moreth, katholischer Seelsorger, und Pfarrerin Laura Kliem von der evangelischen Mirjamgemeinde. An der Orgel begleitete Tobias Landsiedel die Feier. Auch Pfarrer Kunze verbindet viele persönliche Erinnerungen an St. Ludwig: "Ich denke an Besuche bei Gemeindemitgliedern, an Gottesdienste, die wir hier in der Gemeinde gefeiert haben, auch an die Gottesdienste bei unseren Betriebsfesten. Menschen haben hier gebetet, geweint, sich gefreut - und auch den Bund der Ehe geschlossen." Der Pfarrer ist sich sicher: "Viele Erinnerungen werden wir mitnehmen, aus der Vergangenheit in das Morgen."
Mit Gottes Segen auf neuen Wegen
Im Gebet, bei der Schriftlesung und deren Auslegung, lenkten Pfarrerin Kliem und Seelsorger Kaufer-Moreth den Blick auf den bevorstehenden Umzug der Bewohnerschaft von St. Ludwig und fanden mutmachende Worte: "Allmächtiger, barmherziger Gott, Du willst uns mit Deinem Segen begleiten. Hilf uns, in Zeiten des Abschieds loszulassen, im Aufbruch mutig zu sein und im Neubeginn auf Deine Nähe zu vertrauen." Und weiter: "Mit Gottes Segen neue Wege zu gehen heißt, sich gewiss zu sein, dass Gott es gut mit uns meint."
Zur Erinnerung an diesen Abschiedsgottesdienst und an die Botschaft "Gott geht mit" gab es für die Besucherinnen und Besucher auch etwas Handfestes zum Mitnehmen: kleine, aus hellem Holz gefertigte Handschmeichler-Kreuze, sogenannte "Festhaltekreuze". Verbunden mit der Bitte: Wer sie beim Beten verwenden möchte, möge die Bewohnerinnen und Bewohner und deren neues Zuhause "Haus Anna" ins Gebet einschließen.
Profanierung der Kapelle von St. Ludwig
Bevor Pfarrer Kunze im Anschluss an die Gottesdienstfeier die Profanierung der Kapelle vornahm, erklärte er den Anwesenden: "Die Profanierung einer Kirche oder auch Kapelle bezeichnet den offiziellen Akt, durch den ein sakrales Gebäude seinen religiösen Status verliert und nicht länger für den Gottesdienst genutzt wird. Dies geschieht durch ein Dekret, ein Schreiben des Bischofs, das nach dem letzten Gottesdienst verlesen und dadurch wirksam wird." Nach der Verlesung des Dekrets von Bischof Peter Kohlgraf durch Pfarrer Kunze wurde die Heilige Kommunion hinausgetragen, das Ewige Licht gelöscht, die Kerzen ausgeblasen und der Altar abgedeckt.
Bei Kaffee und Kuchen Erinnerungen teilen
Bei Kaffee und Kuchen im Pavillon von St. Ludwig hatten die Gäste nach der Feier noch viel Gelegenheit, Erinnerungen zu teilen und alte Bekanntschaften aufzufrischen. Denn auch zahlreiche ehemalige Caritas-Mitarbeitende waren der Einladung gefolgt, um St. Ludwig zu verabschieden - ganz gleich, ob vormalige Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder, langjährige Hauswirtschaftskräfte oder ehrenamtlich Engagierte.
Adieu St. Ludwig!