Es kann losgehen: Für das Projekt „famos³“ im Kreis Groß-Gerau erteilten der Europäische Sozialfonds Plus (ESF Plus) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Dezember einen Förderzuschlag in Höhe von knapp 1,9 Millionen Euro. Damit kann das Projekt, bei dem das Kommunale Jobcenter Kreis Groß-Gerau (KJC) federführend ist und mit dem Caritasverband Offenbach und den drei Kommunen Ginsheim-Gustavsburg, Mörfelden-Walldorf und Kelsterbach kooperiert, starten. Bei einer Auftaktveranstaltung des KJC in Groß-Gerau informierten die Projektpartner gemeinsam über Ziele und Hintergründe des Projektes.
„famos³“ – Familienorientiert.Aktiv.Miteinander.Offen.Sozial³ soll in den beteiligten Kommunen Familien mit Kindern, die Bürgergeld, Sozialhilfe oder Kinderzuschlag beziehen oder einen Anspruch darauf haben, unterstützen. Vor allem Alleinerziehende, Familien mit Migrationsgeschichte sowie Familien mit gesundheitlichen Einschränkungen sollen gefördert werden, da sie besonders häufig von Mehrfachbelastungen betroffen sind.
Familiencoaches beraten zu Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag
Besonderer Ansatz des Projektes: Es wird die gesamte Familie in ihrem alltäglichen Lebensumfeld in den Blick genommen und gestärkt. Durch ein Familiencoaching werden die teilnehmenden Familien in Einzel- und Gruppengesprächen beraten, welche passenden Hilfestrukturen es vor Ort gibt. Zusätzlich werden niedrigschwellige Angebote zu Bewegung, gesunde Ernährung, Kultur und Sport ermöglicht. Die gesellschaftliche Teilhabe der Familien soll dadurch langfristig gefördert werden. Der Caritasverband Offenbach wird als Projektpartner das Beratungscoaching verantworten. Dank der Fördermittel können drei Caritas-Pädagogen in den Kommunen im Einsatz sein.
Ergänzt wird das Coaching durch einen Arbeitsmarktexperten des Kommunalen Jobcenters. Er entwickelt mit den Teilnehmenden Perspektiven zu deren (Wieder-)Einstieg in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt und begleitet sie dabei.
Enge Zusammenarbeit von Ämtern und Behörden ist wichtig
Darüber hinaus verfolgt „famos³“ noch ein zweites, strategisches Ziel: Es soll erprobt werden, wie der Ausbau einer fach- und zuständigkeitsübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Sozialhilfe, Arbeitsförderung, Jugendhilfe und Schulwesen dazu beitragen kann, Familien mit Mehrfachbelastungen besser zu erreichen, so dass sie bestehende Hilfen auch in Anspruch nehmen.
Caritasdirektor Martin Webers betonte: „Wir freuen uns sehr, bei diesem Projekt mit an Bord zu sein, um das Familiencoaching, die sozialpädagogische Stabilisierung und individuelle Einzelfallberatung zu übernehmen. Als katholischer Wohlfahrtsverband stehen wir stets an der Seite der Schwachen der Gesellschaft und beschreiten gern neue Wege, um ihnen zu helfen.“
Franziska Schäfer, Caritas-Bereichsleiterin im Kreis Groß-Gerau, machte deutlich: „Aus unserer täglichen Beratungsarbeit wissen wir, dass gerade Familien und Alleinerziehende Unterstützung brauchen, die über einzelne Zuständigkeiten hinausgeht. Fragen von Existenzsicherung, Kinderbetreuung, Gesundheit und beruflichen Perspektiven lassen sich nicht getrennt voneinander lösen. Mit Hilfe von ‘famos³’ kann es gelingen, Eltern zu stärken, Orientierung zu geben und tragfähige Perspektiven zu entwickeln – immer mit Blick auf das Wohl der Kinder.“
Ihrem Bereichsleitungskollegen, Axel Hechler, ist der Präventionsgedanke wichtig: „Wir möchten bei den teilnehmenden Familien möglichst frühzeitig ansetzen und präventiv tätig werden, um Eskalationen zu verhindern. Wir möchten Brücken zu den Ämtern bauen und setzen darauf, dass sich die Familien, die ja freiwillig am Projekt teilnehmen, auch helfen lassen wollen.“
Wege aufzeigen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Die Bürgermeister Thorsten Siehr (Ginsheim-Gustavsburg), Karsten Groß (Mörfelden-Walldorf) und Manfred Ockel (Kelsterbach) zeigten sich gleichermaßen und in mehrfacher Hinsicht von dem Projekt überzeugt: Es sei die enge Verknüpfung der Themen Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und eine konsequente Umsetzung des Grundgedankens der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, durch die das Konzept überzeuge und auf kluge Weise bereits bestehende, niedrigschwellige Angebote der Kommunen in das Projekt einzubinden wisse.
Überdies schätzenswert sei auch der innovative Impuls des Projektes für die Verwaltungsstruktur: Die „starre Versäulung“ der Sozialgesetzgebung mit gesetzlich verankerten, streng getrennten Zuständigkeiten, führe in der Praxis eben leider häufig dazu, dass Bürgerinnen und Bürger „von Pontius zu Pilatus“ rennen müssten und sich nicht selten in einer „Behördenspirale“ aufrieben. Im Rahmen des Projektes neue Wege einer optimierten Zusammenarbeit der Behörden zu erproben, käme den Bürgerinnen und Bürgern unmittelbar vor Ort zugute und entspreche dem Geiste der Verwaltungsvereinfachung.
Wie geht es weiter?
Anfang Februar wird es mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten Kommunen einen Workshop zu den konkreten Projektaufstellungen vor Ort geben. Ab dem zweiten Quartal 2026 können interessierte Familien an dem Projekt teilnehmen. Über die Laufzeit von drei Jahren wird „famos³“ 450 Teilnehmende in das Projekt aufnehmen können.
Adil Oyan, Erster Kreisbeigeordneter und Verwaltungsratsvorsitzenden des KJC, fasste zum Abschluss der Veranstaltung zusammen: „Mit dem Konzept des Projektes zeigt das Kommunale Jobcenter Kreis Groß-Gerau einmal mehr, dass es weit über den Tellerrand seines Kerngeschäfts hinausdenkt und für den gesamten Kreis Impulse zu setzen weiß. In diesem Sinne ist es mir ein besonderes Anliegen, den Mitarbeitenden des Projektmanagements des KJC, den Bürgermeistern der teilnehmenden Kommunen, der Caritas und allen weiteren Kooperationspartnern zu danken – ohne diese engagierte Zusammenarbeit wäre ‘famos³’ nicht in dieser Form umsetzbar.“
Hintergrundinformation
Der Europäische Sozialfonds (ESF) ist Europas wichtigstes Instrument zur Förderung von Beschäftigung und sozialer Integration in Europa. Deutschland erhält in der ESF-Förderperiode 2021 bis 2027 rund 6,56 Mrd. Euro. Davon fließen rund 2,22 Mrd. Euro in das ESF Plus- Bundesprogramm und rund 4,34 Mrd. Euro in die ESF-Aktivitäten der Bundesländer. Weitere Informationen zum ESF im Internet unter: www.esf.de
Von links nach rechts: Adil Oyan (Erster Kreisbeigeordneter Kreis Groß-Gerau), Elke Rothenheber (Bereichsleitung Arbeitsmarkt und Integration Kommunales Jobcenter Kreis Groß-Gerau), Thorsten Siehr (Bürgermeister Ginsheim-Gustavsburg), Robert Hoffmann (Vorstand Kommunales Jobcenter Kreis Groß-Gerau), Martin Webers (Vorstand Caritasverband Offenbach/Main e.V.), Manfred Ockel (Bürgermeister Kelsterbach) und Karsten Groß (Bürgermeister Mörfelden-Walldorf) bei der Vorstellung des Projektes famos³Foto: © Kommunales Jobcenter Kreis Groß-Gerau
(Quellen: Pressemitteilung des KJC Kreis Groß-Gerau vom 19.01.2026 u. Pressegespräch vom 08.01.2026)