URL: www.caritas-offenbach.de/presse/jeder-mensch-braucht-ein-zuhause-aktion-
Stand: 31.10.2018

Pressemitteilung

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“: Aktion am Caritas-Sonntag in St. Paul und St. Josef thematisiert Wohnungsnot

Sperrmüll war es definitiv nicht, denn auf dem Sofatisch lag ordentlich ein Tischdeckchen. Wäre da nicht der anhaltende Nieselregen gewesen, so hätten es sich die Besucher vor dem Gottesdienst am Caritas-Sonntag gemütlich machen können. So aber suchte jeder schnell das Dach überm Kopf und strebte in die Kirche.

Wie wichtig es ist, ein Dach über dem Kopf zu haben, ein Zuhause sein Eigen zu nennen – darum ging es im Gottesdienst am diesjährigen Caritas-Sonntag am 23. September. Mitar-beiter des nahe gelegenen Caritashauses hatten ihn gemeinsam mit Diakon Oliver Schäfer und der Gemeinde St. Paul gestaltet. Das Motto der Caritas-Jahreskampagne 2018 „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ stand dabei Pate. Auch in der Offenbacher Kirche St. Josef wurde das Thema am Caritas-Sonntag aufgegriffen und gleichermaßen anschaulich thematisiert.

Die Zimmerinstallation vor der Kirche solle dazu einladen, innezuhalten und dem Thema Wohnungsnot Aufmerksamkeit zu schenken, sagte Pfarrer Hans Blamm in St. Paul zur Begrüßung. Es brauche „einen wachen Blick, ein offenes Herz und helfende Hände“, um Menschen in Notlagen beizustehen. Denn in diesen Situationen begegne Gott den Menschen. „Was Ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan“ – so formuliere es Jesus in seinem Gleichnis vom Letzten Gericht.

Caritassonntag Zimmer vor St. Paul

 

 

 

 

 

 

 

 

Um zu zeigen, wie sich Wohnungsnot bei Offenbacher Mitmenschen, auch bei Kindern und Jugendlichen, äußern kann, hatten die Ministranten fiktive Kurzdialoge vorbereitet, die sie der Gemeinde vortrugen: „Wie feierst Du eigentlich Deinen Geburtstag?“ fragte eine Schülerin die andere. „Gar nicht, ich schäme mich. Ich habe kein eigenes Zimmer, sondern wir wohnen alle zusammen – meine Eltern und meine fünf Geschwister“, lautete die Antwort. Ein anderer wollte wissen: „ Wir wohnen jetzt in der Marienstraße, da haben sich meine Eltern ein Reihenhaus gekauft. Sag mal, wo wohnt ihr jetzt eigentlich? Ihr seid doch auch umgezogen?“ Der Gefragte antwortete: „Wir müssen jetzt in einem Hotel an der Kaiserstraße wohnen. Eine bezahlbare Wohnung konnten wir nicht finden…“

Dass es sich bei so einem Hotelaufenthalt um eine prekäre Notunterbringung handelt, die mit einem Hotelurlaub nicht vergleichbar ist, schilderte im Verlauf des Gottesdienstes Caritasmitarbeiterin Mihaela Florian: „Da sind keine Mahlzeiten mit dabei, es gibt keine Kochgelegenheit aus Brandschutzgründen, Kinder haben keinen Rückzugsort zum Hausaufgaben machen. Kommen Verwandte zu Besuch, so dürfen sie nicht über Nacht bleiben.“ Mihaela Florian und ihr Kollege Holger Senft berichteten von der Arbeit des Caritasfachdienstes für notuntergebrachte Personen. Dieser unterstützt Wohnungslose, vor allem Familien, im Auftrag des kommunalen Jobcenters bei der Suche nach passendem Wohn-
raum. Dabei können die Mitarbeiter im Caritashaus auch weitere Problemlagen der Betroffenen in den Blick nehmen und beratend zur Seite stehen.

In die Fürbitten eingeschlossen wurden an diesem Caritas-Sonntag nicht nur Obdachsuchende, sondern auch die Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft: „Wohnraum ist kein Selbstläufer. So bitten wir für die Verantwortlichen, dass sie sich frei machen von wirtschaftlichem Druck und den hohen Rendite-Erwartungen, damit alle Menschen eine Chance auf eine angemessene Wohnung haben.“ Aber auch jeder Einzelne könne helfen, indem er Menschen, die auf der Straße leben, wertfrei und achtsam begegnet. Indem er Hilfe gewährt, wo sie nötig ist, heißt es in einer weiteren Fürbitte. „Zuhause, das sind Orte, aber auch Gesten“.

Zum Schluss der Feier luden Pfarrer Blamm und Diakon Schäfer alle Gottesdienstbesucher dazu ein, ein paar eigene Gedanken zu notieren: Zettel mit den Worten „Zuhause bedeutet für mich…“ lagen parat und konnten individuell ergänzt werden. Am Kirchenausgang wurden sie an einer Pinnwand zusammengetragen „Wärme und Geborgenheit“ war dort beispielsweise zu lesen. „Dass ich mit meinen Puppen spielen kann“ – in krakeliger Kinderschrift geschrieben. „Wo ich sein kann wie ich bin, wo gelacht wird ohne auszulachen“, „mit Menschen zusammen sein, die mir am Herzen liegen“, „Freundschaft, Zuverlässigkeit, Familie und: im eigenen Land leben zu dürfen“ – Letzteres notiert in einer Handschrift, die wohl einem älteren Jahrgang zuzuordnen ist. Gedanken, die man mit auf den Heimweg nehmen konnte.

Caritassonntag St. Paul

 

 

 

 

 

 

 

Als die Besucher vor die Kirche traten, war das aufgebaute Zimmer weg – so schnell wie es freie Wohnungen in Offenbach nun mal sind.

Caritassonntag St. Josef Zimmer