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Stand: 07.08.2019

Pressemitteilung

Jahresempfang der Hessen Caritas

 WIESBADEN/ FULDA/ LIMBURG/ MAINZ 6. Februar 2015. Der demographische Wandel sowie ein klares Bekenntnis zu einer offenen, demokratischen und toleranten Gesellschaft waren die zentralen Themen beim Jahresempfang der Hessen-Caritas am 4. Februar 2015 im Wiesbadener Roncalli-Haus, an dem gut 300 Gäste aus der Regierung und den hessischen Landtagsfraktionen, aus Verwaltung, Kirche und Caritas, aus Wohlfahrtspflege, Wirtschaft und Medien teilnahmen. Als Redner begrüßte der Vorsitzende der Hessen-Caritas, der Limburger Diözesancaritasdirektor Dr. Hejo Manderscheid, den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, den hessischen Minister für Soziales und Integration Stefan Grüttner, den Apostolischen Administrator Weihbischof Manfred Grothe sowie Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes.

Jahresempfang Hessen-Caritas

Manderscheid, der turnusgemäß den Vorsitz für die kommenden zwei Jahre von Dr. Markus Juch (Diözesancaritasdirektor in Fulda) übernommen hat, betonte, dass solche Veranstaltungen Teil und Ausdruck einer lebendigen Demokratie seien, die nur dann funktioniere, wenn Begegnung, Austausch und Kommunikation stattfänden. Mit Blick auf die Terror-Anschläge gegen die Karikaturen-Zeitschrift "Charlie Hebdo" und die zahlreichen Demonstrationen für Meinungs- und Religionsfreiheit sagte Manderscheid, dass alle staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure zusammenarbeiten müssten. "Ich freue mich daher, dass wir, Hessen-Caritas und Kirche, vertrauensvoll mit der Landes- und kommunalen Ebene zusammenarbeiten, insbesondere beim Aufbau und bei der Umsetzung einer Willkommenskultur für Flüchtlinge, aber auch in den vielen sozialpolitischen Themen und Fragestellungen, die uns gemeinsam umtreiben." Der Vorsitzende begrüßte, dass das Hessische Sozialbudget aufgestockt werde. Gleichzeitig äußerte er die Sorge, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werde. Er appellierte daher, im Hessischen Sozialbericht auch zu evaluieren, ob die eingesetzten Gelder zur Armutsbekämpfung richtig und wirksam eingesetzt würden. Ausdrücklich dankte Manderscheid allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Hessen-Caritas für ihr unermüdliches Engagement, damit alle Bürger in den verschiedenen Situationen und Lebensphasen menschenwürdige und wertschätzende Zuwendung und Unterstützung erhalten und beispielsweise Flüchtlinge hier ein Zuhause in Sicherheit finden könnten.
In seinem Grußwort würdigte Ministerpräsident Volker Bouffier die Arbeit der rund 32.000 ehrenamtlichen und 26.000 hauptamtlichen Mitarbeiter der Caritas in Hessen. Erfreut zeigte sich Bouffier darüber, dass die Caritas sich mit dem bedeutenden Thema des demographischen Wandels beschäftige, der alle Lebensbereiche und alle Regionen in Hessen durchziehe und daher auch nicht mit einer Antwort zu lösen sei. "Ich freue mich, dass Sie mit Ihrem großen Erfahrungsschatz sich dieses Großthemas annehmen - unsere Aufgabe ist zu schauen, wie wir das stets zu knappe Geld so organisieren, dass überall die gesundheitliche Versorgung, Mobilität, Kommunikation und Bildung sichergestellt werden können", so Bouffier. Sozialminister Stefan Grüttner betonte, dass Herausforderungen wie die Vereinbarkeit von Beruf, Kinderbetreuung und Pflege sowohl von Arbeitgebern als auch mit Unterstützung von professionellen Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen gemeistert werden sollten. "Wir müssen auch die Attraktivität des Altenpflegeberufs steigern, wir brauchen eine angemessene Bezahlung, und höhere Löhne müssen auch in den Verhandlungen mit den Kostenträgern berücksichtigt werden", so Grüttner.
Beide, Bouffier und Grüttner, betonten, dass Flüchtlinge und Asylsuchende viele Potenziale und beruflichen Qualifikationen mitbrächten und eine Bereicherung für eine sich wandelnde Gesellschaft seien. "Wir brauchen ein besseres Bleiberecht und müssen eine freundliche Willkommenskultur gestalten und denen, die zu uns kommen, Chancen bieten - dafür wollen wir uns auch auf Bundesebene einsetzen", so Grüttner.
"Für unsere Gesellschaft bilden die Werte der unverbrüchlichen Würde des Menschen, der Demokratie und Toleranz, der Solidarität, der Freiheit der Meinung genauso wie der Freiheit der Religion das tragende Fundament." Das betonte Weihbischof Manfred Grothe in seinem Grußwort. "Die Ereignisse der zurückliegenden Wochen mit den furchtbaren Anschlägen von Paris verdeutlichten, wie notwendig es sei, für diese Grundwerte mit aller Kraft einzustehen." Gleichzeitig erfüllten ihn die vielen Zeichen der Solidarität und der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalität, politischer Zugehörigkeit und Religion mit Respekt und Dankbarkeit. Mit Blick auf die zahlreichen Herausforderungen betonte Grothe: "Wir sind in unserem Dienst als Kirche und Caritas offen für die gesamte Gesellschaft, wir sind ein Teil davon und dürfen und wollen niemals zu einer exklusiven, geschlossenen, ausschließenden Veranstaltung werden." Deshalb sei es unerlässlich, zu den Armen und Ausgeschlossenen an den Rändern der Gesellschaft zu gehen - zu denen gerade auch die Asylsuchenden und Flüchtlinge gehörten.
"Der Dienst unserer Kirche und unserer Caritas ist aber auch politisch", so der Weihbischof. "Es ist gut, dass die Caritasverbände in Hessen seit vielen Jahren in einem starken Bündnis, in der Hessen-Caritas, zusammenarbeiten und eine tragfähige Struktur für das politische Lobbying aufgebaut haben. Sie ist umso stärker und wirkungsvoller, umso abgestimmter und geschlossener sie überzeugt und ihre Interessen mit einer Stimme vertritt." Grothe sicherte der Hessen-Caritas auch zukünftig die Unterstützung der drei Diözesen und ihrer Bischöfe zu und betonte, dass durch die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen und in der Vielfalt der Dienste diese "Hand und Herz der Kirche" seien.
Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher, beleuchtete in seinem Vortrag zur diesjährigen Caritas-Kampagne "Stadt - Land - Zukunft" die Herausforderungen des demographischen Wandels und zeigte mögliche Lösungen auf. Die Caritas greife dieses Thema auf, da sie die Veränderungsprozesse mitgestalten wolle. "Wir sind selbst auch vom Wandel betroffen als Dienstleisterin für Menschen, deren Umfeld sich stark verändert", erläuterte der Caritas-Präsident. Eine, trotz Zuwanderung schrumpfende, zugleich immer älter werdende Bevölkerung habe Folgen für ländliche Regionen wie für Städte, so Neher. Auf der einen Seite wirkten sich Wegzug und Überalterung enorm aus auf die Infrastruktur auf dem Land, wo Betriebe, Geschäfte, Schulen und Kitas geschlossen würden und gesundheitliche Versorgungsstrukturen und Buslinien wegbrächen. Der Zuzug in die Städte auf der anderen Seite stelle diese mit wachsenden Einwohner- und Pendlerzahlen nicht nur städteplanerisch vor große Herausforderungen, sagte Prälat Neher. Es sei zu begrüßen, dass es Initiativen auf Länderebene gebt, wie beispielsweise den Hessischen Demographie-Preis oder Dorfentwicklungs-Programme. "Dennoch würde ich mir ein wesentlich deutlicheres Bewusstsein für die Folgen wünschen, die sich angesichts des demographischen Wandels zum Beispiel aus sozialpolitischen Entscheidungen ergeben, wie die jüngsten Beschlüsse zur Rentenpolitik", bekräftigte Neher. Diese sollten immer auch dem "Demographie-Check" unterzogen werden.
Lösungsansätze seien, wie der Caritas-Präsident erläuterte, beispielsweise Projekte, die den regulären Öffentlichen Personen-Nahverkehr mit privaten Mitnahmefahrten und Taxi-Ersatzfahrten ergänzten. Oder Ansätze, bei denen die Dienstleistungen zu den Menschen kämen, wie rollende Supermärkte oder mobile Ärzte. Caritas und Kirche engagierten sich bereits mit zahlreichen sozialräumlichen Aktivitäten. Allerdings: "Es wird auch für uns als Anbieter sozialer Dienstleistungen zunehmend schwieriger, Dienste wirtschaftlich und organisatorisch vorzuhalten." Um die gesundheitliche Versorgung zu erhalten, könnten Kompetenzen der ambulanten Pflegekräfte erweitert werden, zugleich müssten aber aus Nehers Sicht die erforderlichen Rahmenbedingungen ausgeweitet werden, so die Wegepauschale, bei der jedoch nicht danach unterschieden werde, ob es sich um eine Fahrt im städtischen oder ländlichen Raum handele - und die so die Pflegedienst vor finanzielle Probleme stelle.

Die Hessen-Caritas ist die Arbeitsgemeinschaft der Diözesancaritasverbände Fulda, Limburg und Mainz.
Bildunterschrift für beiliegendes Foto: Prälat Dr. Neher (ganz rechts) stellte die Caritas-Jahreskampagne vor, Zuhörer waren unter anderem (von links): Domkapitular Wolfgang Rösch, Weihbischof Manfred Grothe, Dr. Hejo Manderscheid (Vorsitzender der Hessen-Caritas und Diözesancaritasdirektor Limburg), Ministerpräsident Volker Bouffier, Thomas Domnick (Diözesancaritasdirektor Mainz), Sozialminister Stefan Grüttner und Dr. Markus Juch (Diözesancaritasdirektor Fulda).
Foto: C. Scharf

Verfasserin: Petra M. Schubert, Pressestelle Caritasverband für die Diözese Limburg e. V.