URL: www.caritas-offenbach.de/presse/broken-hartz
Stand: 13.12.2016

Pressemitteilung

Broken Hartz

Im Musical „Broken Hartz“ erheben Langzeitarbeitslose ihre Stimme

Sie stellen ihre eigene Lebenswirklichkeit dar – im Rampenlicht. Sie spielen Szenen und singen Musicaltexte als Solist oder im Chor – die sie nur zu gut nachvollziehen können: Langzeitarbeitslose bringen das Musical-Projekt „Broken Hartz“ auf die Bühne. Damit verleiht es vielen Hartz-IV-Empfängern Anerkennung und eine Stimme, die sonst im Alltag schnell überhört oder übertönt wird. Besonders in wirtschaftlich guten Zeiten. In der ausverkauften Alten Schlosserei der EVO in Offenbach fand am 07. Oktober 2016 die Uraufführung von „Broken Hartz“ statt.

Treffpunkt Jobcenter

„Willkommen in der verwalteten Welt, hier tauscht man Freiheit gegen Geld“ heißt es im Eröffnungssong. Und das ist die Story, gewürzt mit viel Realität: Fünf Langzeitarbeitslose sind von ihrer Betreuerin zum Termin ins Jobcenter bestellt worden; alle für 8:30 Uhr. Nun warten sie im Gang vor der geschlossenen Tür – wie schon so oft. „Von allen Demütigungen finde ich das Warten noch am erträglichsten“, kommentiert Frau Schwarz (Magda Basta) den Gefühlsausbruch ihres genervten Sitznachbarn Hakan (Gustav Faschung). Felix (Mathias Nippgen van Dijk), ein zuletzt nicht so erfolgreicher Rechtsanwalt in Anzug und Krawatte, der sich später zu den Wartenden dazusetzt, sieht vieles ganz anders. Aus der Perspektive des vermeintlich nicht betroffenen Akademikers spricht er von flexibilisierten Arbeitsverhältnissen und Personalleasing, statt von Leiharbeit. Doch Hakan weiß Bescheid und wird konkret: „Ich werde wie Luft behandelt von Leuten, die Schiss haben, ihren Job an mich zu verlieren.“

Von Akademikern und Leiharbeitern

Die „Maßnahme“, die ihnen von der neuen, durchaus engagierten Sachbearbeiterin vorgeschlagen wird, entpuppt sich für alle als Überraschung: Auf einer Musikmesse sollen sie sich potenziellen Arbeitgebern per Gesang vorstellen. Ein Musikpädagoge wird das Ensemble bis zum Auftritt coachen. Bis es soweit ist, gibt es bei den Proben urkomische Turbulenzen. Prallen doch die unterschiedlichsten Charaktere mit ihren Einzelschicksalen aufeinander und müssen sich zusammenraufen. Ob Hakan, der gelernte Koch, Gero, ein verkorkster Musiker (Bernhard Bergmann), Frau Schwarz oder Felix, der Jurist – die facettenreich dargestellten Figuren geben Arbeitslosen ein Gesicht und erzählen von ihren Geschichten, Sorgen, Sehnsüchten und Gefühlen. Holger Senft, aus dessen Feder die Texte zu “Broken Hartz“ stammen, kommt als Caritas-Berater mit vielen Arbeitssuchenden ins Gespräch und schöpft aus dieser Erfahrung. Die Musik zum Stück komponierte Thomas Gabriel, Regionalkantor des Bistums Mainz an der Seligenstädter Einhard-Basilika. Er leitete auch die Gesangproben und bei der Aufführung dirigiert er das Stück vom Keyboard aus. Als Regisseur konnte Peter Strauß von den Eppsteiner Burgschauspielern für das Projekt gewonnen werden.

Das Musical-Projekt macht Mut und fördert Talente

Das Musical „Broken Hartz“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Caritas und der Initiative Arbeit im Bistum Mainz. Die Initiatoren freuen sich, dass so viele Betroffene den Mut und die Ausdauer gefunden haben, beim Projekt mitzumachen. Das ist nicht selbstverständlich. Nicht selten ist das Thema Arbeitslosigkeit mit Scham verbunden, Betroffene ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben eher zurück. Aber „die Decke über den Kopf zu ziehen hilft nicht, man muss sich eben einbringen“, sagt Darsteller und Hartz-IV-Bezieher Thomas Demuth, der nie zuvor im Chor, „nur in der Badewanne“ gesungen hat. Mut machen, Talente fördern, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Leistungen stärken, ist ein wichtiges Ziel des Projekts. Und es scheint zu gelingen. Als der Schlusssong ausklingt mit den Worten „Die Stimme ist da, um sie zu erheben. Die Stimme ist da, um sich zu erleben. Die Stimme ist da, kein Grund, jetzt aufzugeben“ bedankt sich das Publikum in der Alten Schlosserei mit minutenlangen stehenden Ovationen für die mitreißende und beeindruckende Darbietung.