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Stand: 31.10.2018

Pressemitteilung

Aktionstag am 15. Februar 2017 in Offenbach zum Thema, „Hilfsangebote für Kinder suchtkranker Eltern“

Offenbach/Main
Während der „COA-Aktionswoche“, die bundesweit in dieser Woche auf die Situation von Kindern aus Suchtfamilien (Children of Alcoholics/Children of Addicts) aufmerksam macht, hat das Offenbacher Beratungsnetzwerk am 15. Februar 2017 einen Fachtag im Caritaszentrum Offenbach veranstaltet. Fünf Offenbacher Institutionen stellten eine breite Palette an Beratungs- und Hilfsangeboten für Kinder suchtkranker Eltern vor. Diese reichen von der offenen Baby- und Kleinkind-Sprechstunde über Elternkurse „Starke Eltern – Starke Kinder“, entwicklungsfördernde Angebote für Kinder bis hin zu Selbsthilfegruppen und zum Betreuten Wohnen für Suchtkranke. In Vorträgen wurden das Offenbacher Kindergruppen-Projekt „Schatzinsel sucht Entdecker“ sowie ein beispielhaftes stationäres Eltern-Kind-Angebot in Bad Schwalbach ausführlich beschrieben und mit dem Publikum diskutiert.

Offenbacher Netzwerk „Hilfen für Kinder aus Suchtfamilien“ stellt sich vor

Zum Netzwerk haben sich der Caritasverband Offenbach, das Suchthilfezentrum Wildhof, der Kinderschutzbund Ortsverband Offenbach, die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Jugendamtes der Stadt Offenbach und Vertreter und Vertreterinnen des Kreuzbundes Offenbach zusammengeschlossen. Diese fünf Institutionen engagieren sich seit mehreren Jahren für Kinder suchtkranker Eltern in Offenbach. „Für eine gute Versorgung der betroffenen Familien müssen vor allem niedrigschwellige Hilfsangebote, eine gute Kooperation und die systematische Vernetzung verschiedener Versorgungssysteme die Regel sein“, fordern die Akteure.

Arbeit im Netzwerk: Eltern-Kind-Behandlung in einer stationären Suchthilfeeinrichtung

Wie eine Eltern-Kind-Behandlung im interdisziplinären Netzwerk aussehen kann, stellte
Udo Röser in seinem Vortrag vor. Röser ist therapeutischer Leiter des Therapiedorfs
„Villa Lilly“ in Bad Schwalbach, einer stationären Einrichtung zur Behandlung drogenabhängiger Eltern mit ihren Kindern. Am Beispiel „Villa Lilly“ machte Röser deutlich, wie in die Behandlungsplanung gleichermaßen suchtspezifische Behandlungsfaktoren der Eltern als auch kindeswohlfördernde Maßnahmen einfließen. Im Behandlungsteam arbeiten Sozialarbeiter, Psychologen, Ärzte, Krankenpfleger, Arbeitstherapeuten, Erzieherinnen und Kinderkrankenschwestern Hand in Hand. Die drei wichtigen Ziele der Behandlung sind die Abstinenzstabilisierung der Eltern, die Sicherung des Kindeswohls und die Förderung der Eltern-Kind-Beziehung, erläuterte Röser. Während beispielsweise Jungen und Mädchen im hausinternen Kindergarten in ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung gefördert werden, gibt es für die Eltern ein Angebot an Gesprächen und Seminaren zur Stärkung ihrer Erziehungskompetenzen. Sie werden darin geschult, ihre Elternverantwortung bewusst und gelassen im Familienalltag wahrzunehmen. Der Therapieplan sieht immer auch Zeiten vor, die Eltern und Kinder gemeinsam verbringen: Im geschützten Rahmen der „Villa Lilly“ können sie sich dabei auf das Familienmiteinander außerhalb der Einrichtung vorbereiten.

Offenbacher Projekt „Schatzinsel sucht Entdecker“ für betroffene Kinder

„Schatzinsel sucht Entdecker“ – so heißt ein Angebot der Caritas Offenbach zur Unterstützung und Stärkung von sechs- bis sechzehnjährigen Kindern und Jugendlichen, deren Eltern oder Elternteile suchtkrank oder psychisch erkrankt sind. Gefördert wird das Projekt von der Aktion Mensch. Elke Schneider und Birgit Fleck, Diplom-Sozialpädagoginnen von der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern und Paare im Caritashaus St. Josef
sind für dieses Projekt verantwortlich und gaben in ihrem Vortrag einen Zwischenbericht.

In altersgerechten Kindergruppen treffen sich betroffene Kinder alle 14 Tage, „um auf Schatzsuche zu gehen“. Die Schätze, die sie heben und erkunden, helfen ihnen dabei, eigene Bedürfnisse und Ressourcen besser zu erkennen, Selbstvertrauen aufzubauen und ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. Ein Hauptziel ist es, dass sie eigene Schutzmechanismen entwickeln, denen sie vertrauen und auf die sie in schwierigen Situationen zurückgreifen. Ganz wichtig ist auch, dass durch Gespräche die Themen „Sucht“ und „psychische Erkrankung“ enttabuisiert werden, so dass die Kinder und Jugendlichen von Scham- und Schuldgefühlen entlastet werden, betonen die Projektleiterinnen. Für Jugendliche von 14 bis 16 Jahren werden Einzelgespräche nach Bedarf angeboten. Eltern- und Familiengespräche ergänzen die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Auch eine Notfallplanung und Krisenintervention sieht das Projekt gegebenenfalls vor.

Zum Hintergrund

In Deutschland leben heute mehr als 2,6 Millionen Kinder mit suchtkranken Eltern unter einem Dach. Fast jedes sechste Kind wächst somit in einer Suchtfamilie auf. Diese Mädchen und Jungen müssen tagtäglich mit der Alkoholerkrankung oder Drogensucht eines Elternteils oder sogar beider Elternteile umgehen. Ihr Risiko, als Erwachsene selbst suchtkrank zu werden, ist im Vergleich zu Kindern aus nichtsüchtigen Familien bis zu sechsfach erhöht. Studien belegen, dass Kinder suchtkranker Eltern die größte bekannte Sucht-Risikogruppe bilden.

Wenn betroffene Familien so früh wie möglich an niedrigschwellige, entlastende und unterstützende Hilfen herangeführt werden, besteht die Chance, diesen potentiellen Suchtkreislauf zu unterbrechen. Angebote und Hilfen müssen in ein vernetztes, interdisziplinär arbeitendes Versorgungssystems eingebunden sein. Obwohl in den vergangenen Jahren in Offenbach vielfältige Angebote für die frühzeitige Versorgung von Risikofamilien etabliert wurden, ist dem Offenbacher Netzwerk die Sensibilisierung für die besonders gefährdeten Kinder aus Suchtfamilien und der Ausbau bestehender Standards und Kooperationsstrukturen ein großes Anliegen.

Mehr Informationen zur Aktionswoche unter:

www.coa-aktionswoche.de